"bis einer heult " - W.Shakespeare
Kritik aus der "Main Post", Oktober 2008
Uraufführung: Shakespeare oder nicht Shakespeare - das ist hier die Frage

Spaß mit angeblichem Shakespeare-Fragment im Theater Ensemble

Man stelle sich vor, Hedwig Courths-Mahler träfe sich mit William Shakespeare bei LSD-Guru Timothy Leary auf ein Tässchen bewusstseinserweiternden Tee. In heiterer Laune erdächten die drei dann ein drolliges Stück rund um allegorische Frauengestalten, einen feurigen Tenor, einen verwirrten Großfürsten und, nicht zu vergessen, eine unsagbar hässliche Frau. Herausgekommen wäre dabei sicherlich eine amüsante, etwas schrullige Komödie rund um Glück, Liebe und Eifersucht.

Keine Chance hätte so ein Werk jedoch gegen den Coup, den der Theatergruppe "Der Keil" mit ihrer Umsetzung von "Bis einer heult" gelungen ist. Davon überzeugen kann man sich im Würzburger Theater Ensemble. Der Inhalt des kunterbunten Stücks ist schnell erzählt: Freude (Daniela Heller) und Trauer (Marion Höfle) wetteifern darum, ob Freuden- oder Verzweiflungstränen die wertvolleren seien. Als Versuchskaninchen für ihr emotional aufgeladenes Spielchen dienen Glückspilz Aurelio (Wolf Otto) und Rubella, "die häßligste Frau der Welt".
Nach einigen überraschenden Wendungen und immer neuen Rückschlägen findet dann doch jeder auch noch so unansehnliche Topf seinen Deckel, lange vermisste Söhne kehren heim, und der gestresste Cupido (Benjamin Dörr) darf auch mal relaxen.

"Bis einer heult" ist eine wunderbar abgedrehte, unglaublich lustige Mischung aus Liebesschmonzette, Mysterienspiel und höfischer Komödie. Wenn etwa Alexander Blühm als geölter Herzog ein Lied über ein trauriges Entlein, das lieber ein Fisch wäre, zum Besten gibt oder Daniela Heller als Rubella entschlossen über die Bühne stapft und lautstark die eigene Hässlichkeit konstatiert, ist das einfach nur urkomisch.
Regisseur Homer Berndl und das gesamte "Der Keil"-Team hatten offenbar jede Menge Spaß an der Umsetzung des Stücks, das angeblich von Shakespeare stammt. Doch: Ganz gleich, aus wessen Feder "Bis einer heult" auch stammen mag, ein Besuch lohnt sich. Hin oder nicht hin, das ist nicht die Frage.