"der Bauernvergewaltiger II " - Anatol Blasch
Kritik aus der Weidener Zeitung, August 2005
Mythos und Mundart-Schmunzette
Anatol Blaschs "Bauernvergewaltiger" polarisiert Publikum des Kunstvereins


Der Applaus ist groß - aber das Stück polarisiert die Geschmäcker. Und das ist von den Machern durchaus so einkalkuliert. "Der Bauernvergewaltiger" ist ein gekonnter Spagat aus intellektuellem Theater und einer Schmunzette aus billig improvisierten Kalauern. "Der Keil" ist geschlagen. Und gerade deshalb fasziniert auch das gleichnamige Ensemble aus Würzburg mit seinem ungleichen Gespann aus einem mystischen Kitschgeschöpf und seinem wenig ahnenden Opfer.
Ein böses Wesen


Auf der Bühne des Weidener Kunstvereins verfliegt die Furcht vor dem geheimnisvollen Mystiker sehr schnell. Denn wer hat schon Angst vor einem bärtigen Kerl, der am Badesee in rosafarbenen Unterhosen und mit luftleeren Schwimmärmelchen im Kinderplantschbecken hockt? Aber exakt darauf zielt das Stück: niemals Äußerlichkeiten unterschätzen.

Denn Christian, dem Alexander Blühm sein fabelhaftes, nudistisches Outfit und die simple Sprachstruktur verleiht, hat es faustdick hinter den Ohren. Der Typ ist im Grunde genommen ein durch und durch böses Wesen, das mit seinen sadistischen Spielchen nichts anderes im Sinn hat, als den ahnungslosen Feriengast Franz (Mick Mennig) von seinem Paarlauf mit Freundin Monika (Kathi Biedermann) zu entfremden und sexuell zu beschlafen - was ihm auch gelingt.

Die Geschichte um den "Bauernvergewaltiger" basiert auf mehreren Ebenen, spielt am Baggersee und in einem imaginären Bauernschwank. Bezeichnend an dem 2004 uraufgeführten Stück von Anatol Blasch ist, dass die Zärtlichkeiten und Wutausbrüche auf charmante Art klein, mitunter ungelenk gehalten, allezeit aber ganz von dieser Welt sind.

So lässt sich die Handlung auf jeden Ort dieser Welt projizieren. Anstatt Würzburg, wo das "Der Keil"-Ensemble zu Hause ist, werden kurzerhand Weiden und Vohenstrauß zum Schauplatz der christianschen Weltanschauung gemacht, dank des Heimspiels von Alexander Blühm, der von den örtlichen Gegebenheiten wegen seines Max-Reger-städtischen Geburtsrechtes durchaus Kenntnisse besitzt. Mit billigem Allerweltsgewäsch zieht der Kerl als "Huaber"-Bauer durch die Kirchen, Restaurants und Metzgereien der "Stodt", um hier seinen Hunger zu stillen.

Wer das Programmheft genau studiert, bekommt riesengroße Augen. Da wird der Autor des Stücks amerikanisiert, seine Eltern als typische Saloonschläger dargestellt, die letztendlich ihrem schlagenden Hobby zum Opfer gefallen sind. Auf dem Schiff nach Europa will der Waise dann seine Dramen geschrieben haben. In Wirklichkeit lebt der gebürtige Kasachstaner Anatol Blasch wohl in Wöllershof, wie andere Quellen preisgeben. Ob's stimmt?

Spartanische Szene


Beseelt wirkt die Inszenierung, die sich auf einen Ringkampf zweier halbnackter Männer einlässt, vor allem wegen des Heidenspaßes, den sie verbreitet. Es ist keine durchgängige Geschichte, sondern basiert abseits geistvoller Gelehrtenhuberei auf Mythen und fröhlichen Mundart-Exkursen. Die Kulisse für das Seelenexperiment ist sehr spartanisch gehalten. Ein Tisch, zwei Stühle, ein Gummibecken und Erol (Harald Rester), der Gitarrist, mit seiner Lydia (Silke Peel).