interview mit Anatol Blasch
aufgenommen im Bezirkskrankenhaus Woellershof im Juni 2004
Der Keil: Na, gut geschlafen?

Blasch: Geht so.

Der Keil: Wie du weißt, hatten wir gerade Premiere von Machine. Die Reaktionen waren eher durchwachsen.

Blasch: Hm.

Der Keil: Es gab Leute, die sagten, dem Blasch fällt nichts mehr ein, es sei doch ein merklicher Abfall vom Bauernvergewaltiger, andere, die schon den Bauernvergewaltiger nicht mochten, bemängelten wieder mal die Abwesenheit eines Spannungsbogens. Da würden Stränge aufgebaut, die nach langem vor sich Hindümpeln ins Nichts führten. Vor allem, dass der Mord später keine Erwähnung mehr fand, fanden viele, auch die Wohlwollenden, enttäuschend.

Blasch: Die Wichser sollen Tatort kucken.

Der Keil: Einverstanden. Wer interessiert sich schon für Morde, wenn es doch um Liebe gehen könnte. Allerdings tat sich da auch nicht soviel. Das abrupte Ende nahmen viele folgendermaßen auf: Ah, jetzt hat er keine Lust mehr.

Blasch: Da kann ich nur auf meine Schusswunden verweisen.

Der Keil: Eine deiner Lieblingsantworten auf fast alles. Wenn du mal erläutern könntest, was sie bedeutet.
Blasch: Steht in meiner Autobiographie.

Der Keil: Die kann man nicht kaufen.

Blasch: Ich hab ein Exemplar da. Könnt ihr haben.

Der Keil: Ah ja, danke. Könntest du es trotzdem kurz erzählen?

Blasch: Nö.

Der Keil: Und wenn wir den entsprechenden Abschnitt aus deinem Buch abschrieben, deinen Namen davor setzten und es an dieser Stelle ins Interview schrieben, ginge das?

Blasch: Klar.

Der Keil: Also gut.

Blasch: "Die Gegend, in der ich aufgewachsen bin, war damals noch Zonenrandgebiet. 17 km östlich von Vohenstrauß lag die hermetisch abgeriegelte tschechoslowakische Grenze. Wenn in meinen Stücken also lange wenig passiert und sie dann sehr plötzlich enden, dann ist das wie mit meinen Waldspaziergängen."

Der Keil: Anatol, trotz unserer eindringlichen Bitten, dir was drüberzuziehen, hast du uns einmal mehr nackt empfangen.

Blasch: Ich kanns mir leisten.

Der Keil: Kein Zweifel, du hast einen makellosen Körper. Halt auch keine Narben.

Blasch: Hmmm.

Der Keil: Nur wegen der Schusswunden.

Blasch: Was ist damit?

Der Keil: Schon gut. Wie geht es eigentlich deiner Mutter?

Blasch: Dreht am Rad.

Der Keil: Inwiefern?

Blasch: Sie glaubt mal wieder, dass ihr alle ans Leder wollen. Der Oberbürgermeister von Weiden und seine Lakaien. Auch die Ärzte von hier. Sie hat sich in der Cafeteria verbarrikadiert. Seit ein paar Stunden versuchen die Ärzte, sie da rauszukriegen. Sie hat ein erstaunliches Gewaltpotential. Dank der vielen Kreativgruppen hier ist sie inzwischen auch technisch sehr versiert. Waffen, Fallen, Warnanlagen, so ohne weiteres kommt man an sie nicht ran. Allerdings möchte die Heimleitung auch ungern die Polizei rufen. Das gab das letzte Mal schon unangenehm viel Aufsehen. Als psychiatrische Klinik steht man ungern in der Bild. Jetzt versuchen sie es halt mit gut zureden. Aushungern geht nicht so schnell, die Cafeteria ist gut bestückt. Vorher haben sie mich gebeten, zu vermitteln. Aber als ich das Megaphon hatte, konnte ich nicht anders, als zu rufen: Hier spricht OB Schröpf, wir kriegen dich, du Mistvieh! Da hat man mich von dieser Aufgabe entbunden.

Der Keil: Wir dachten, euer Verhältnis hätte sich gebessert seit der Tanztherapie.

Blasch: Ach, das ist so ein Auf und Ab.

Der Keil: Möchtest du uns noch etwas über deinen Werdegang erzählen?

Blasch: Später.